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Fredersdorfer Bier
BrauSinn Forschung & Rezept
Quellenabbildungen




Historische Quelle
Berlin, 1826
Originaltext / Transkription
Fabrication des Fredersdorfer Biers. §. 967. Der vormalige Kämmerier Fredersdorf (im Dienste Friedrich Wilhelm des Ersten) ließ in seiner ihm zu= gehörigen Brauerei zu Spandau (jetzt dem Königl. Hofbier= brauer Herrn Amtmann John zugehörig) ein Bier brauen, das noch jetzt daselbst sehr verbessert fabricirt, und unter dem Namen Fredersdorfer Bier debitirt wird. In Berlin und andern benachbarten Gegenden kennt und schätzt man dieses Bier we= gen seiner angenehmen hellbraunen Farbe, seiner Klarheit und seines angenehmen geistreichen Geschmacks. Mir ist nicht be= kannt, wie dieses Bier in Spandau fabricirt wird, meine zur Darstellung desselben unternommene Versuchsarbeiten ha= ben mir aber ein sehr glückliches, jenem vollkommen gleiches Resultat geliefert. Demgemäß kann man zur Darstellung des gedachten Biers folgendermaßen operiren. §. 968. Um ein Gebräude von 2000 Berliner Quart (= 33⅓ Eimer) Fredersdorfer Bier zu produciren, werden an Materialien erfordert: 1) 10 Berliner Scheffel (= 600 Pfund) braunes Ger= stenmalz. 2) 10 Berliner Scheffel (= 600 Pfund) bernsteinfarbe= nes Gerstenmalz. 3) 15 Berliner Scheffel (= 1000 Pfund) bernstein= farbnes Weizenmalz, 4) 40 Pfund des besten Hopfens. 5) 20 — brauner Zuckersyrup (Melasse); welche Materialien folgender Gestalt verarbeitet werden. §. 969. Nachdem die drei Malzsorten gut gemengt und geschro= tet worden sind, wird solchen im Meischbottich, der erste Auf= guß zum Einteigen mit 9000 Berliner Quart (= 240⅔ Eimer) Wasser, bei der Temperatur von 65 Grad Reau= mür (= 178¼° Fahrenheit) gegeben, alles eine Stunde lang gut unter einander gearbeitet, und dann noch anderthalb Stunden gemeischt. Hierauf erhält die Masse den zweiten Aufguß als Meischwasser in demselben Bottich, mit 8000 Quart (= 124⅔ Eimer) siedendheißem Wasser, wird gut umgearbeitet, dann im bedeckten Bottich eine und eine halbe Stunde lang gemeischt, sodann aber die Würze gezogen, worauf die rückständigen Trebern den dritten Aufguß, als zweites Meischwasser, mit 8000 Quart erhalten, und nach erfolgter Meischung die Würze abgezogen wird. §. 970. Die gesammte Würze wird hierauf in die Pfanne zurück= gebracht, zum Sieden erhitzt, und zum zweiten Mal durch die Trebern hindurchgeleitet, hierauf abermals in die Pfanne zurückgegeben, gelinde gekocht und bis zum Umfange von 2000 Quart abgedunstet, worauf zuletzt der Syrup darin auf= gelöset wird. In diesem Zustande wird sie nun mit dem Hopfenextract und mit dem Syrup versezt, auf das Kühlschiff gebracht, und so schnell wie möglich bis auf 14 Grad Reaumür abgekühlt. §. 971. Die gehopfte und abgekühlte Würze kommt nun in den Gährungsbottich, wird darin mit 12 Quart Hefe gestellet, und der Fermentation unterworfen. Wenn die Oberhefe zu sinken beginnt, wird sie abgenommen, das gegohrne Bier von der Unterhefe abgezogen, und auf ge= lagerte Fässer im Keller zur Ausgährung gebracht. Das Auffüllen geschiehet am besten mit reinem kalten Was= ser. Das Bier erfordert einen Zeitraum von 14 Tagen bis 3 vollen Wochen, bevor solches trinkbar wird. §. 972. Die rückständigen Trebern erhalten nun einen vierten Aufguß von 600 Quart (= 10 Eimer) siedendem Was= ser, werden damit eine Stunde gemeischt, dann zur Würze ge= zogen, worauf diese mit dem ausgepreßten Hopfen 30 Minuten lang gekocht, hierauf aber in den Gährungsbot= tich, mit Hefe versezt, zu leichtem Bier verarbeitet.
BrauSinn-Interpretation
Fredersdorfer Bier – vereinfachte Rekonstruktion für 25 Liter nach dem Kochen
Dieses Rezept ist eine vereinfachte Rekonstruktion eines historischen Fredersdorfer Biers für heutige Heimbraubedingungen. Die historischen Malzbezeichnungen werden durch gut erhältliche moderne Malze angenähert. Auch das ursprüngliche Arbeiten mit sehr großen Wassermengen und starkem Eindampfen wird hier praktikabel angepasst.
Zielmenge: ca. 25 Liter Würze nach dem Kochen
Menge im Gärbehälter: ca. 23–24 Liter
Fertiges Bier: ca. 21–23 Liter
Stammwürze: ca. 16–17 °P
Gärung: obergärig
Farbe: hellbraun bis bernsteinbraun
Charakter: brotig, malzig, leicht karamellig, mit spürbarer, aber nicht moderner Hopfenbittere
Schüttung
2,1 kg Münchner Malz II
1,5 kg Wiener Malz
3,0 kg dunkles Weizenmalz
350 g CaraAmber oder CaraMünch I
50–70 g Carafa Special II oder ein anderes sehr dunkles Röstmalz, nur für die Farbe
80–100 g milde Melasse oder brauner Zuckersirup
Das dunkle Röstmalz soll nur den hellbraunen Farbton unterstützen. Es darf keinen Kaffee-, Porter- oder Schwarzbiercharakter erzeugen.
Hopfen
Historisch nach Menge wären etwa 200–220 g Hopfen auf 25 Liter Würze nach dem Kochen passend.
Diese Menge ist aber nur sinnvoll, wenn niedrigalphiger Doldenhopfen mit etwa 2% Alpha verwendet wird.
Bei heute üblichen Pellets oder frischem Aromahopfen mit 4–5 % Alpha sollte die Menge reduziert werden.
Ziel sind etwa 35–45 IBU.
Praktische Hopfengabe:
Bei Doldenhopfen ca. 3 % Alpha:
- 140 g – 60 Minuten
- 60–70 g – 20 Minuten
ODER
Bei Pellets ca. 4 % Alpha:
- 100 g – 60 Minuten
- 40 g – 20 Minuten
ODER
Bei Pellets ca. 5 % Alpha:
- 80–90 g – 60 Minuten
- 30–40 g – 20 Minuten
Hefe
Geeignet ist eine saubere obergärige Hefe, z. B.:
Fermentis SafAle K-97
Lallemand Köln
Wyeast 1007 German Ale
White Labs WLP036 Düsseldorf Alt
Bei Trockenhefe für diese Stammwürze besser zwei Päckchen verwenden.
Maischen unter Heimbraubedingungen
Mit ca. 16–17 Liter Wasser einmaischen. Die Maische ist etwas dicker, passt aber in der Regel noch in einen 30-Liter-Einkocher oder BIAB-Kessel.
Maischeplan:
67 °C – 60 Minuten
72 °C – 20 Minuten
78 °C – 10 Minuten Abmaischen
Danach läutern oder beim BIAB den Malzsack langsam abtropfen lassen.
Nachguss
Mit ca. 16–20 Liter heißem Wasser nachgießen. Ziel sind insgesamt etwa 30–32 Liter Würze vor dem Kochen.
Falls der Kessel nur 30 Liter fasst, sollte er nicht randvoll betrieben werden. In diesem Fall etwa 25–27 Liter im Hauptkessel kochen und den Rest in einem zweiten Topf auffangen. Dieser Rest kann separat kurz mitgekocht oder während des Kochens nach und nach in den Hauptkessel gegeben werden, sobald dort Platz entsteht.
Kochen
Die Würze 2 bis 2,5 Stunden ruhig kochen und auf ca. 25 Liter eindampfen. Die längere Kochzeit soll das historische Eindampfen vereinfacht nachbilden und dem Bier mehr Tiefe, Farbe und Malzcharakter geben.
Hopfengabe, einfache Variante:
80 g Hopfen – 60 Minuten kochen
30–50 g Hopfen – 20 Minuten kochen
Die Melasse oder den braunen Zuckersirup in den letzten 10–15 Minuten zugeben.
Am Ende sollen ca. 25 Liter Würze nach dem Kochen im Kessel bleiben. Nach Kühlung, Hopfen- und Trubverlusten kommen ungefähr 23–24 Liter in den Gärbehälter.
Gärung und Reifung
Die Würze möglichst schnell auf 17–18 °C abkühlen und die Hefe zugeben.
Hauptgärung: ca. 5–7 Tage bei 17–18 °C
Danach von der Hefe abziehen
14–21 Tage kühl nachreifen lassen
Erwartetes Ergebnis
Das Bier sollte hellbraun, klar, malzig und brotig wirken. Das dunkle Weizenmalz bringt eine weiche, runde Struktur, Münchner und Wiener Malz ersetzen vereinfacht die historischen bernsteinfarbenen Malze. CaraAmber oder CaraMünch geben etwas Tiefe, während die kleine Menge Röstmalz nur die Farbe abrundet. Die Melasse soll dezent bleiben und nicht vorschmecken.
Das Ergebnis ist ein historisch inspiriertes, obergäriges, hellbraunes Bier: kräftiger und malziger als ein modernes Weizenbier, aber nicht so dunkel oder röstig wie ein Porter.
Modernes Braurezept
Malz
| Münchner Malz II | 2,1 kg | ||
| Wiener Malz | 1,5 kg | ||
| dunkles Weizenmalz | 3 kg | ||
| CaraAmber oder CaraMünch I | 35 g | ||
| Carafa Special II oder ein anderes sehr dunkles Röstmalz, nur für die Farbe | 5 g | ||
| milde Melasse oder brauner Zuckersirup | 8 g |
Hopfen
| Hallertauer Mittelfrüh | 4 % | 5 g | 60 |
| Tettnanger | 5 % | 2 g | 20 |
Hefe
| Fermentis SafAle K-97 |
Maischeplan
| 67 °C | 60 min | ||
| 72 °C | 20 min | ||
| 78 °C | 10 min |
Kochplan
| 10 min | Melasse oder den braunen Zuckersirup |
Gärung
| 17–18 °C | 5-7 Tage |